Falzziegel von Gasser Ceramic, Gurtenareal Wabern

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Falzziegel von Gasser Ceramic, Gurtenareal Wabern

Die neue Kunst geformter Dächer

Von Sonja Huber und Bettina Gubler

Das Dach – ein Kind zeichnet ein Dreieck mit Schornstein, ein Architekt zeichnet eine horizontale Linie. Beides geschieht beinahe selbstverständlich.

Flächen, damit Regen- und Schneeschmelzwasser abfliessen kann, gleichzeitig wird Raum geschaffen, der als Wohn- und Lagerfläche dient. Unsere Städte und Dörfer wurden während mehreren Jahrhunderten mit schrägen Dächern gebaut, die in unterschiedlichsten Formen ihren Beitrag zum Stadtbild leisteten – bis schliesslich das, aus dem Blickpunkt des Betrachters, «unsichtbare» Flachdach aus den trockenen Südregionen den Weg zu uns fand.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stiess das flache Dach als reine Stilform in der klassischen Moderne auf grossen Anklang. Vorerst noch mit auskragendem Dachvorsprung und manch zierlichem Vordach. Doch mehr und mehr verkümmerte das gestaltete Dach im Minimalismus der «Swiss Box» – geriet gar in Vergessenheit, und anstelle von geformten und konstruierten Dächern werden Bauten nun einfach nur noch abgeschnitten. Das war es dann wohl mit dem Gebäudeabschluss zum Himmel hin.

Heinrich Tessenow, deutscher Architekt, Professor und Vertreter der Reformarchitektur, ermahnte bereits Anfang des 20. Jahrhunderts, dass das steilere Dach hinsichtlich seiner Hauptaufgabe, Wasser möglichst rasch abzuleiten, immer die bessere Grundform habe. Es lasse sich nicht wegphilosophieren, dass das flache Dach eine Art Grundfehler aufweise, weil dem neuen Bauleben der Respekt vor elementarsten Gedankengängen fehlen würde.

Ad absurdum wurde das flache Dach schliesslich bei so manchem Gebäude mit dem Einsatz von Photovoltaik geführt. Für eine optimale Leistung der Sonnenstromanlage müssen die Paneele schräg aufgeständert werden – immer mit genügend Abstand zum nächsten Modul, damit keine gegenseitige Verschattung erfolgt. Zweifellos müssen in der gegenwärtigen Debatte um erneuerbare Energien Dachflächen zur Stromproduktion genutzt werden.

Warum nicht einmal das flache Dach hinterfragen und die Dachneigung als solches für eine optimale Leistung nutzen? Wäre es nicht höchste Zeit, dem schrägen Dach sein Revival zu geben? Die nach einem gelungenen Entwurf schnell gezeichneten schrägen Linien als Symbol für Photovoltaik auf dem Flachdach sollten vermehrt zur architektonischen Aufgabe werden. Mit sorgfältigem Handwerk können Dachformen und -figuren entwickelt werden, welche die Photovoltaik auf selbstverständliche Weise integrieren. Verschiedenste Ausführungen von Solarelementen müssten wie zahlreiche andere Baumaterialien in das Vokabular der Architektur aufgenommen werden.

Anstelle von aufgeständerten Paneelen auf Flachdächern und lieblos aufgepappten, rechteckigen Standartelementen auf bestehenden Sattel- und Walmdächern können formschön gestaltete Dachlandschaften entstehen, die ebenso fürs Auge wie für die Energiegewinnung eine Freude sind. Getreu der Empfehlung Heinrich Tessenows, die hundert Jahre später wieder Gültigkeit erhält: «[…] mit jeder Begeisterung für flache Dächer vorsichtig umzugehen und – wenigstens nebenbei – immer wieder zu versuchen, ob es uns nicht gelingen will, auch steilere Dächer so zu formen, dass sie sich auch den empfindlichsten Augen als liebenswürdig zeigen.»

Über die Autorinnen

Sonja Huber und Bettina Gubler haben an der ETH Lausanne Architektur studiert und arbeiten als Architektinnen in der Lehre, Wissenschaft und Praxis.

Sortiment Dach

Detailaufnahme vom Dach der Kirche Oberwil, die mit 24'400 Stück Biberschwanzziegel Berner Biber, spitz, naturrot von Gasser Ceramic eingedeckt ist.

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