Seit Januar 2026 führt Lukas Schläppi als technischer Geschäftsführer Gasser Ceramic gemeinsam mit Julienne Gasser. Im Interview gewährt er einen Einblick in seinen Alltag zwischen Produktion und Strategie, erklärt, wie sein technischer Hintergrund die Geschäftsführung prägt und wagt einen Blick in die Zukunft.
Lukas Schläppi, seit dem 1. Januar 2026 sind Sie bei Gasser Ceramic als technischer Geschäftsführer in der vierten Generation tätig. Was hat sich für Sie durch diesen Schritt verändert?
Für mich hat sich ehrlich gesagt mehr verändert als erwartet. Mein Vorgänger Hans Gasser hat sich vom ersten Tag an stärker zurückgezogen, als ich gedacht hatte. Das war zunächst ein wenig überraschend, im Nachhinein betrachtet war es jedoch genau das Richtige. Dadurch musste ich schneller lernen, selbstständig Entscheidungen zu treffen und Verantwortung in meiner neuen Rolle zu übernehmen. Früher konnte ich einfach schnell bei ihm nachfragen und somit auch Verantwortung abschieben. Natürlich kann ich ihn immer noch um Rat fragen, aber ich mache das jetzt viel seltener. Mein Verantwortungsgefühl ist definitiv stärker geworden.
Sie bringen einen starken technischen Hintergrund mit. Wo hilft Ihnen diese Perspektive heute besonders, wenn es um Strategie, Produktentwicklung und operative Entscheidungen geht?
Der technische Hintergrund ist für mich vor allem deshalb hilfreich, weil ich dadurch unseren Betrieb inzwischen sehr gut kenne. In den letzten Jahren durfte ich «an der Basis» viel miterleben und lernen. Das ist wertvoll, wenn es um alltägliche Probleme oder strategische Entscheidungen geht. Ich kann nun gut abschätzen, welche Auswirkungen eine Entscheidung am Schreibtisch in der Produktion hat. Auch heute noch bin ich täglich in der Produktion, allerdings nicht mehr ganztägig wie früher.
Gasser Ceramic steht für langlebige Tonprodukte, Qualität und Erfahrung. Wie entscheiden Sie, was bewahrt werden soll und wo gezielt weiterentwickelt werden muss?
Bei unseren bestehenden Tonprodukten achten wir stark darauf, die gewohnte Qualität zu bewahren. Bezüglich Neuentwicklungen haben wir den involvierten Personenkreis vergrössert. Je nachdem aktivieren wir auch Mitarbeiter:innen, die nicht direkt in der Produktentwicklung arbeiten. Wenn wir das Gefühl haben, dass eine Idee vielversprechend ist, starten wir eine Studie, in der unter anderem abgeklärt wird, ob es dafür einen Markt gibt und was produktionstechnisch machbar ist.
«Wir lancieren ein neues Fassadenelement sowie die neue Generation vom Solarmodul FIT.»
Welche Produktinnovationen stehen bei Gasser Ceramic in nächster Zeit im Fokus?
Wir lancieren ein neues Fassadenelement. Das ist ein Geschäftsfeld, das wir vermehrt bearbeiten wollen. Damit können wir uns gezielter dem gestalterischen Element der Gebäudehülle widmen. Im Vergleich zu früheren Produkten wurde dieses Element in Kombination mit einer speziellen Unterkonstruktion für die Fassade entwickelt. Das ist für uns ein bedeutender Schritt, denn damit richten wir unseren Fokus gezielt auf das Fassadensegment. Zwar kamen unsere Dachziegel bereits bisher teilweise an Fassaden zum Einsatz, doch haben wir diesen Bereich in den vergangenen Jahren nicht eigenständig und aktiv bearbeitet. Zudem lancieren wir die neue Generation vom Solarmodul FIT. Unabhängig von einzelnen Produkten arbeiten wir stets daran, energieeffizienter zu produzieren.
Innovation bedeutet oft, bestehende Lösungen weiterzudenken und neue Anwendungsfelder zu erschliessen. Welche Rolle spielt dieser Ansatz in der künftigen Entwicklung von Gasser Ceramic?
Wir bleiben grundsätzlich bei unseren bestehenden Produkten, versuchen aber stets, sie den neuen Gegebenheiten anzupassen. Zudem gibt es auch regulatorische Auflagen, die sich verändern können und somit Anpassungen an bestehenden Produkten nach sich ziehen. Das ist ein kontinuierlicher Prozess.
Sie führen das Unternehmen gemeinsam mit Julienne Gasser. Wie ergänzen sich Ihre technische Perspektive und die unternehmerisch-kaufmännische Sicht von Julienne Gasser in der Geschäftsführung?
Das ergänzt sich sehr gut, weil wir eben nicht genau die gleichen Themen abdecken und unterschiedliche Hintergründe haben. Das setzt voraus, dass wir uns gegenseitig vertrauen. Ich mische mich nicht bis ins Detail in ihre Bereiche ein. Gleichzeitig weiss Julienne, dass ich, wenn ich etwas in meinen Themenbereich einbringe, mir das gut überlegt und geprüft habe. Daraus entsteht eine positive Abhängigkeit. Diese Rollenverteilung hat sich relativ schnell eingespielt. Hilfreich ist auch, dass wir wöchentlich einen fixen Termin zum Austausch haben.
Nachhaltigkeit ist ein zentraler Anspruch von Gasser Ceramic. Wo kann technische Weiterentwicklung konkret dazu beitragen, Produkte, Materialien oder Produktionsprozesse noch zukunftsfähiger zu machen?
Der Nachhaltigkeitsgedanke ist mittlerweile weit verbreitet. Gasser Ceramic befasst sich bereits seit Langem mit dieser Thematik. Dadurch konnten wir bereits eine Reihe von Prozessen optimieren und im Sinne der Nachhaltigkeit verbessern. Dieser Prozess setzt sich jetzt verstärkt fort, wodurch viele spannende Projekte entstehen, die früher nicht möglich waren, da die Zeit noch nicht reif war. Im technischen Bereich stehen die Optimierung der Produktionsanlagen im Fokus. Das ist ein kontinuierlicher Prozess, der wohl nie enden wird.
«In zehn Jahren wollen wir unsere heutige Position weiter gestärkt haben und mit innovativen Produkten die nachhaltige Bauwirtschaft aktiv mitprägen.»
Welche Herausforderung im operativen Alltag hat Sie seit der Übernahme besonders gefordert und was haben Sie daraus für Ihre Führungsrolle mitgenommen?
Da denke ich vor allem an Mitarbeiterführung und Personalentscheidungen. Einerseits nimmt dieser Bereich viel Zeit in Anspruch. Andererseits muss ich Entscheidungen vermehrt selbst treffen, wobei mir aber auch die Zusammenarbeit mit dem HR und den betroffenen Betriebsleitern sehr wichtig ist. Ich habe daraus gelernt, dass Führung nicht nur das Entscheiden beinhaltet, sondern auch das Führen von Menschen. Das ist ein Punkt, der mir vorher nicht in diesem Ausmass bewusst war.
Was bedeutet es für Sie, ein Familienunternehmen in der vierten Generation weiterzuführen und gleichzeitig auf neue Marktanforderungen auszurichten?
Ich finde es grundsätzlich sehr spannend, dass ich nun die Möglichkeit habe, meine Ideen ins Unternehmen einzubringen und zu verwirklichen. Wie jede Generation vor uns haben auch wir unsere spezifischen Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Wir müssen auf neue Marktanforderungen und Regulationen reagieren, ohne dabei die Werte zu verlieren, die Gasser Ceramic ausmachen. Das ist natürlich nicht einfach, weil vieles im Wandel und derzeit noch unklar ist. Aber generell finde ich das eben auch extrem spannend.
Wo soll Gasser Ceramic in fünf bis zehn Jahren produktseitig und technologisch stehen, damit das Unternehmen langfristig stark positioniert ist?
Für uns ist die Positionierung im Bereich Nachhaltigkeit und Emissionsreduktion zentral. Wenn wir dort daranbleiben und unsere Hausaufgaben machen, werden wir am Markt bestehen können. Tonprodukte werden natürlich auch mit anderen Baustoffen verglichen – und da müssen wir konkurrenzfähig sein. Das bedeutet, dass wir technologisch und prozessual kontinuierlich an Verbesserungen arbeiten müssen. Wie erwähnt, erschliessen wir mit dem Fassadenelement ein Geschäftsfeld, das uns produktseitig noch breiter aufstellt. In zehn Jahren wollen wir unsere heutige Position weiter gestärkt haben und mit innovativen Produkten die nachhaltige Bauwirtschaft aktiv mitprägen.